
Geschichtliche Entwicklung
Die Entstehung von Kisdorf geht auf das 4. bis 5. Jahrhundert zurück. Damals siedelten sich hier Sachsen an. Die Waldungen des Kisdorfer Wohldes boten ihnen Schutz und Trutz. Viele Funde von Steingeräten und auch Urnen sowie die Hügelgräber auf dem Flurstück "Hillenkrütz" und im Kisdorfer Wohld sind unverkennbar Zeugen dieser frühen Besiedlung in unserer Gemeinde.
Von einer Dorfgründung kann jedoch erst um das Jahr 1000 gesprochen werden. Es ist anzunehmen, daß die Benennung des Dorfes vom Namen des ersten Siedlers abgeleitet wurde und nicht von "Kies", der um jene Zeit noch keine besondere Bedeutung hatte.
Schon in den vergangenen Jahrhunderten hatte Kisdorf, nach einer alten noch vorhandenen Amtsrechnung von 1526 "Kystorpe" geschrieben, als größte von 12 Gemeinden des Kirchspiels Kaltenkirchen eine gewisse Bedeutung. Nach altem Sachsenrecht mit kirchspieleigenem Dingrecht hatten die Bewohner immer eigenen Grund und Boden und Wald. Sie waren weder dem Adel noch dem Kloster unterstellt und kannten keine Leibeigenschaft.
Bis in das 18. Jahrhundert hinein war der Kisdorfer Wohld mit Wald bedeckt, und die damaligen Hufner lebten mehr von der Köhlerei und der damit in Verbindung stehenden Glasschmelzerei (Glashütte) als von der Landwirtschaft. Im Kisdorfer Wohld erinnern die Flurbezeichnungen Heidbrann'n, Grooten Brann'n, In'n Brann'n, Wilden Brann'n, Lütt Füürsteed und Groot Füürsteed an diese Zeit. Die Glashütte wurde mit dem Abholzen und Roden des Waldes 1541 nach Hüttblek (damals zu Kisdorf gehörig) und danach 1629/30 nach Struvenhütten verlegt.
Mit dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges (1618-1648) und den daran anschließenden kriegerischen Auseinandersetzungen begann auch für die Einwohner Kisdorfs eine leidensvolle Zeit. Außer vielen Dörfern - auch in unserer Umgebung - wurde die Segeberger Burg niedergebrannt. Die Glashütte wurde dabei ebenfalls zerstört.
Noch schlimmer für die Bevölkerung war der von 1657 bis 1660 dauernde Schweden-Polaken-Krieg, in dem neben vielen anderen Dörfern auch Kisdorf 1658 vollständig niedergebrannt wurde. Noch bis 1700 gab es immer wieder Truppendurchzüge und Einquartierungen in unserer Gemeinde.
Im Schwedisch-Dänischen Krieg bis 1720 war die Bevölkerung wiederholt gezwungen, in die Wälder und Moore zu flüchten, aus denen heraus Partisanenkrieg geführt wurde. Daran erinnert im Kisdorfer Wohld heute noch der "Schnapphahn".
Im Jahre 1771 wurde von der dänischen Regierung die Verkoppelungsverordnung erlassen, die anordnete, daß die bisher allgemein genutzten Ländereien aufgeteilt werden sollten. Nach der Verkoppelung, die in Kisdorf zwischen 1794 und 1803 umgesetzt wurde, entwickelte sich nach Rodung des Waldes die Landwirtschaft zur Haupterwerbsquelle.
Nach altem Sachsenrecht erbte der jüngste Sohn unteilbar das väterliche Vermögen. Durch diese Flurbereinigung kamen die übrigen Söhne zu kurz. Aus ihrer Unzufriedenheit entwickelte sich der sogenannte "Instenkrieg". Zentrum dieser Unzufriedenheit war Kisdorf. Auswanderungen der verdrängten weiteren Söhne nach Amerika waren eine Folgeerscheinung. 1841 wurden in Kisdorf 637 Einwohner gezählt, davon 130 Schulkinder. Es gab 3 Gastwirte, 2 Kaufleute, 3 Schmiede, 1 Tischler, 1 Bäcker, 3 Radmacher, 8 Weber und 1 Arzt. Die Erhebung gegen Dänemark 1848 bis 1851 forderte auch in Kisdorf Opfer.
Am 09.05.1859 wurde durch einen Großbrand (den sogenannten Sengelbrand) ein ganzer Ortsteil vernichtet. Der noch heute bestehende Straßenname "Sengel" ist jedoch nicht auf dieses Feuer zurückzuführen, da er schon im Jahre 1800 bestand. Der Brand von 1859 beschleunigte die weitere Auflockerung des Dorfes in Richtung Wohld und Kisdorf-Feld. Erst 1864 wurde Schleswig-Holstein und damit auch unser Dorf Bestandteil von Preußen.
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Mit der Industriealisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts, insbesondere aber in den Gründerjahren nach 1871, erlebten Handel, Landwirtschaft und Industrie auch in Kisdorf einen Aufschwung. 1884 werden der Mühlenbetrieb J.F. Andersen, 1898 die Genossenschafts-Meierei und 1910 die Spar- und Darlehnskasse gegründet. Weitere Betriebe des Handels, vor allem des Kfz- und Maschinenhandels, entstanden und festigten die Wirtschaft der Gemeinde. Nach dem 2. Weltkrieg herrschte große Wohnungsnot durch den Zuzug der Vertriebenen aus Pommern, West- und Ostpreußen sowie Schlesien, der die Einwohnerzahl auf weit über 2.000 ansteigen ließ. Die beginnende Bautätigkeit (z.B. Grootredder und Mühlenredder) und der Fortzug eines Teils der Hinzugezogenen besserte nach und nach die Verhältnisse.
In den vergangenen 30 Jahren wurde der Ort planmäßig weiterentwickelt. Bedeutende Baugebiete entstanden. Die vorwiegende Einzelbauweise lockte viele Bürger aus städtischen Gebieten an, zumal die Gemeinde mit dem Kisdorfer Wohld ein Naherholungsgebiet mit hohem Freizeitwert aufweist.
Nach dem Raumordnungplan hat die Gemeinde die Funktion der Wohnsitzsiedlung und der Naherholung mit der Erhaltung und Förderung der bestehenden Landwirtschaft und des Gewerbes. Heute leben in Kisdorf ca. 3.300 Einwohner, es gibt eine Grund- und Hauptschule mit Realschulzweig mit den Einzugsbereichen Hüttblek, Kattendorf, Sievershütten, Struvenhütten und Winsen, ein Sportzentrum "Strietkamp", eine Mehrzweckhalle, einen Sportverein mit vielen Sparten, einen Kindergarten, zwei Feierabendwohnheime, eine Kirche und einen gemeindeeigenen Friedhof.
Die gute Zusammenarbeit der Bürger und der Wille zur Integration dokumentiert sich nicht zuletzt in dem außerordentlich regen Vereinsleben, dem Patenschaftsverhältnis zu einer Bundeswehrkompanie und der Partnerschaft mit der englischen Gemeinde Bardsey-cum-Rigton, sowie nach der Wiedervereinigung in der freundschaftlichen Verbindung mit den Gemeinden Gingst auf Rügen und Brünzow in Vorpommern.
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